/necro
Habe mir Mass Effect am Donnerstag geholt und über das Wochenende ausgiebig gespielt.
Das Spiel kommt auf 2 DVDs in einer unspektakulären DVD Verpackung mit einem Alibi-Handbuch (wird nur für den Aufdruck des CD-Keys benötigt) daher. Alles komplett in deutsch. Die Installation dauert träge 20-25 Minuten, ist aber vorbildlich unkompliziert. Von einer Aktivierung bekommt der Anwender nichts mit, was jetzt sowohl positiv als auch negativ bewertet werden kann.
Der Spielstart dauert recht lange, die Werbevideos lassen sich nicht überspringen (

), da sind wir besseres gewohnt. Die PC Version wurde wohl vom Interface her an die Mauseingabe angepasst, funktioniert auf jedenfall tadelos.
Sehr schön fand ich die Erstellung eines eines neuen Charakters. Zwar darf man nur den Vornamen wählen (der Nachname bleibt fest "Sheppard"), aber dafür wird man auch entsprechend von NPCs immer mit Namen angeredet, was man als atmosphärisches Plus werten darf. Die Einstellungen beim Charakter sind sehr gut, nicht ganz so umfangreich wie jetzt bei EvE oder SWG, aber auf jedenfall immer noch sehr stimmig. Die Erstellung des Charakters wird von einem Computer-Interface begleitet, was das ganze sehr ansehnlich macht. Noch schnell ein paar Eckdaten aus der Vergangenheit gewählt (Eltern waren beim Militär, Kriegsheld etc) und die Klasse ausgewählt.
"Oh?", war mein erster Eindruck bei der Klassenwahl. Die Bezeichnungen waren sehr ungewohnt und die Hilfstexte waren nicht sehr hilfreich. Inzwischen weiß ich, dass es 3 Grundtypen gibt: Kampf, Tech und Bio. Die verschiedenen Klassen sind unterschiedlich stark in diesen 3 Bereichen. Kampf ist am ehesten mit einem "Krieger" vergleichbar, "Tech" mit einem Supporter, "Bio" mit einem "Magier" bzw DD.
Aus Unkenntnis nahm ich die einfachste Wahl, den Soldaten (100% Kampf). Dieser kann alle Waffen skillen und alle Rüstungen tragen.
Man startet anschließend als Commander auf einer Fregatte der Menschenallianz, der "Normandy". Selbst fliegen ist nicht, aber man darf durch das Schiff laufen und mit den Leuten reden.
Hier wird dann auch der Konsolenursprung sichtbar, denn man läuft nicht in der Ego-Perspektive, sondern im Schulterblick durch die Gänge. Die WASD-Steuerung im Zusammenspiel mit der Maus ist am Anfang etwas hakelig, aber nach kurzer Gewöhnung kommt man gut klar damit.
Die Dialoge sind schon fast filmreif inszeniert. Es wird umgeblendet und man sieht den Dialog aus verschiedenen Perspektiven, je nach dem, wer grade spricht. Nettes Detail: Personen schauen einen an, wenn man das Wort ergreift, auch wenn sie neber mir stehen. Dagegen hat sich ein böser Fehler eingeschlichen, denn nach jedem Satz holpert kurz die Animation der Figuren. Ich vermute, da war wohl ein "Cut" dazwischen und die Figuren werden für den nächsten Satz/Dialogabschnitt grafisch neu gesetzt.
Nach einigen Dialogen gehts dann auch direkt zur ersten Mission. Eine Kolonie der Menschen wurde angegriffen und wir sollen mal nachschauen, was da unten denn so los ist. Zusammen mit 2 NPCs laufe ich also in sehr schicken Kampfanzügen auf der recht ansehnlichen Planetenoberfläche. Durch die vielen Blur-Effekte wirkt das ganze auch mehr wie ein Film, als das es Spiel wäre. Apropos Blur, dieser ist auch bei Dialogen sehr gut eingesetzt, denn wie bei Filmen werden die Charaktere unterschiedlich fokussiert.
Die Steuerung des Spiels wird knapp von einem eingeblendeten Tutorial (abschaltbar) erklärt. Nach etwas zurechtfinden und dem linearen Weg der ersten Mission stolpert mein Trupp also über die ersten Feinde. Die sind schnell erledigt und es kam sogar etwas Shooter-Feeling auf. Eine Kiste wird sofort geplündert und im Inventar verwendet. Man hat immer die gleichen Waffen, kann diese jedoch im Laufe des Spiels durch bessere Versionen ersetzen und auch upgraden.
Jeder Gegner gibt Exp und recht schnell stand der erste Stufenanstieg an. Man kann sich frei entscheiden, wohin man seine Punkte legt (Waffenskills, Panzerung, Beweglichkeit, Überredungskunst etc). Legt man genug Punkte in einen Skill, werden entweder neue Skills freigeschaltet oder man bekommt eine einsetzbare Aktion (ähnlich Buffs), die man während dem Kampf aktivieren kann.
Spätestens hier wurden gewisse Ähnlichkeiten zu Knights of the old Republic deutlich. Sowohl das Kistenplündern, als auch die Skillverteilung (wenn auch ein wenig geändert) erinnern sehr stark an Kotor. Auch die Steuerung ist sehr ähnlich. Wer also Kotor gespielt hat, gewinnt früher oder später den Eindruck, dass es sich hier um eine Weiterentwicklung handelt, die ihre Verwandschaft zu den Vorgängern nicht leugnen kann.
Kurzzeitig kam mir da der Gedanke, wie geil eigentlich ein Star Wars Spiel mit diesem Entwicklungsstand geworden wäre, aber ok, Mass Effect ist auch Story-technisch sehr gut geworden.
Bezüglich der Story merkt man gewisse Anleihen beim Star Wars Universum, was dem Spiel und der Atmosphäre aber in keinster Weise schadet. Bis jetzt wirkt alles recht glaubhaft und man vertieft sich gerne in die Mass Effect Welt.
Weitere Ähnlichkeit zu Kotor ist das Erfüllen von Missionen, die man zufällig unterwegs aufschnappt. Diese können unterschiedlich gelöst werden und nicht immer, ist der scheinbar "gute" Weg der richtige. Apropos "gut", man darf bei Dialogen i.d.R zwischen 3 Grundstimmungen wählen (wenn man Punkte in Schmeicheln und Einschüchtern steckt sind auch mal mehr): Guter Commander, neutraler Commander, böser Commander. Je nach Auswahl verschiebt sich die Gesinnung des Chars von "Vorbildlich" ins gegenteilige (weitere Gemeinsamkeit mit Kotor). Verwirrend: Nicht immer ist die ausgewählte Option auch das, was der Charakter anschließend auch sagt. Wenn man sich im klaren ist, dass die Auswahloptionen eher eine Beschreibung der Art und Weise des Gesagten entsprechend, kommt man damit aber ganz gut klar.
Kleines Detail bei den Dialogen: Die Auswahl der Möglichkeiten wird schon während dem Gesprächsverlauf angezeigt, nicht erst wenn keiner mehr spricht. Dadurch werden die Dialoge sehr flüssig und sind nicht so abgehakt wie in anderen Spielen.
Für eine abschließende Wertung halte ich meine Spielzeit noch für zu kurz. Auf jedenfall ist die Story bisher sehr spannend und die Atmosphäre sehr gelungen. Das Spiel macht genau das, was es soll, es unterhaltet den Spieler. Daher lautet mein erstes Urteil:
