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Ich kann es nicht lassen und möchte
die Gelegenheit nutzen um AoC auseinander zu rupfen, um die
Einzelbestandteile zu testen. Fangen wir einfach mit den ersten
Eindrücken an:
Vorgeschichte + Erster Eindruck:
Ich
habe ziemlich lange auf AoC gewartet. Genauer gesagt seit 2005.
Leider muss ich sagen, dass die geschürten Erwartungen im Lauf
der Zeit immer wieder enttäuscht wurden. Es wurden Klassen
gestrichen, Features fielen weg und alles wurde irgendwie immer mehr
vereinfacht. Zuerst waren da Schlachten mit Hunderten von Spielern im
Hinterkopf. Mit Formationen, Generälen, Kriegsmaschinen und
einfach tollem PvP. Angeblich sollten Gildenstädte von NPCs
angegriffen werden und um sie herum sollten NPCs ihre "Hives"
aufbauen. Das Craften klang toll, das Konzept auf dem Papier sehr
interessant. Hach, so viele Träume. Viel davon ist zwar immer
noch geplant. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht daran, dass Funcom
in der Lage ist, das Ganze in naher Zukunft in reibungsloser Art und
Weise zu implementieren. Mein Eindruck von AoC ist bisher der eines
typischen Quest-Tunnel MMOs, was durch die vielen Zonenübergänge
und die prinzipiell eher übersichtliche Welt noch mitgetragen
wird. Dazu gibt es so gut wie keinen Support seitens Funcom und die
Welt im Detail ist verbuggt von vorne bis hinten. Im Einzelnen sieht
das Ganze so aus:
Grafik:
Ja, ich muss sagen, die
ist ganz gut gelungen. Zumindest in den Anfangsgebieten bis etwa
Level 40. Danach gefällt es mir persönlich bisher gar nicht
mehr. Das Feld der Toten und die Eglophianischen Berge sind so
dermaßen trist, die Wälder so lieblos, die Farbgebung so
öde, dass ich mich hier einfach nicht wohl fühlen kann.
Dazu sind die Texturen recht niedrig aufgelöst und auf
Bump-Mapping wird komischer Weise ziemlich häufig komplett
verzichtet. Auch davor wird das Ganze nur von einigen Highlights
getragen, die aber immerhin ausreichen, um zu sagen: nett! Die
Charaktergrafiken sind natürlich sehr gut. Die Rüstungen
hingegen sind ebenfalls eher öde, weil sie noch nicht wirklich
abwechslungsreich wirken. Funcom hatte in der Beta versprochen, dass
sie 1500 weitere Rüstungssets ins Spiel bringen, um das Ganze
etwas vielfältiger zu gestalten. Leider ist das bis Heute nicht
passiert. Leider strotzt das Spiel zudem noch vor Bugs, die mit der
Grafikkarte zu tun haben. Es gibt Probleme mit ATI, Clipping-Fehler
en masse und allgemeine Probleme mit manchen NVidia-Systemen, die
dazu führen, dass man generell mit 10-15 FPS rumgurkt.
Meine Wertung: 7/10
Sound:
Da
gibt es für mich nichts auszusetzen. Trifft genau meinen
Geschmack. Vom "Pling" aufeinander treffender Schwerter bis
hin zur Musikuntermalung finde ich alles sehr gut. Leider gibt es da
noch zahlreiche Bugs. Z.B. sollen manche NPCs in Dungeons eine
Sprachausgabe haben, was aber oft nur abgehackt oder gar nicht hörbar
ist.
Meine Wertung: 9/10
Questen &
Leveln:
Bis Level 46 hätte ich hier wohl eine 9 vergeben.
Denn es gibt zwar einige verbuggte Quests, aber im Großen und
Ganzen läuft es doch ganz gut. Vor allem ist das Spiel zu Beginn
durchsetzt von sehr originellen und interessanten Aufgaben und macht
deswegen recht viel Spaß. Dann, das erste mal in den
Enddreißigern und später ab Level 55, gerät das Ganze
ziemlich ins Stocken. Immer wieder muss man Mobs grinden, um voran zu
kommen. Und immer wieder steht man vor schweren, schlecht
balancierten Quests. Dazu werden die Questgebiete immer trister. Feld
der Toten und die E-Berge sind einfach furchtbar öde. Es macht
mir, ehrlich gesagt, keinen wirklichen Spaß, hier zu grinden
und scheinbar besteht das ganze Gebiet nur aus Kill-, Sammel-
und Lieferquests . Naja..
Meine Wertung: 7/10
Gilden,
Stadtbau:
Prinzipiell ist es ja löblich, dass man tolle
Städte bauen kann, um sich dann später im PvP zu messen.
Allerdings hat das ganze Städtebauen eher den Charme eines
C&C-Klons mit festen Bauplätzen. Man kann nur sehr wenig
aufhübschen oder verschönern. Aber immerhin ist es
überhaupt möglich. Naja, manche Städte sind für
jeden Hansel angreifbar, was mal eben zur kompletten Vernichtung der
Arbeit einer ganzen Gilde führen kann. Und die Tooltips sind
auch ziemlich falsch, so dass man angeblich um eine Universität
bauen zu können, erstmal eine Universität aufbauen soll.
Das führt natürlich dazu, dass man häufig Geld in den
Sand setzt und die Stadt nur schwer voran kommt. Aber immerhin kann
man Häusle bauen!
Das Gildensystem an sich ist leider
ziemlich mies. Da war WoW ja direkt ein Segen. Es gibt etwa 7
verschiedene Gildensysteme mit vordefinierten Rangnamen,
Berechtigungen und Regierungsprinzip. Das heißt: es gibt für
keine Gilde ein System, dass wirklich perfekt passt. Wir haben z.B.
das System der „Hyperboreanischen Miliz“, also Rangnamen wie
Taxiarchos, Hyparch, Phalanx und Stratege. Aber natürlich nur,
weil das andere Zeug noch viel mistiger ist und z.B. viel zu wenig
Ränge hat. Dass Gilden hier selbst etwas kreieren wollen, kam
Funcom wohl nicht in den Sinn. Dazu ist die Gildenbank eher schlecht,
weil nur wenige Leute etwas heraus nehmen oder hinein legen können.
Stapeln geht hier auch nur sehr mühsam und wenn man nicht
aufpasst und das Geld von der Gildenbank abhebt, kann es schon mal
passieren, dass man gebannt wird. Wie soll auch ein einzelner Spieler
in so kurzer Zeit 50 Gold zusammen bekommen, nicht wahr? Gott, sende
Hirn herab!
Meine Wertung: 6/10
RP-Regeln,
Support:
Tja, wie soll ich sagen? Ja, es gibt RP-Regeln!
Leider gibt es aber niemanden, der sie umsetzt. Die Folge sind
unzählige, nicht-RP-konforme Namen, ein RP-Chat voller OOC und
eigentlich niemanden der überhaupt RP betreibt. Stattdessen
schweigt sich die eine Hälfte an, weil sie offensichtlich Angst
davor haben, RP zu betreiben. Und die andere Hälfte schert sich
gar nicht darum und macht einfach was sie meint. RP=Fehlanzeige.
Der
Support wird seiner Aufgabe leider absolut nicht gerecht. Es
existiert praktisch keiner. Bekannte von mir hingen tagelang in einer
Crash-Loop fest und kein GM hat geholfen. Dazu kommen verbuggte
Destiny- oder Craftingquests, die leider ebenfalls nicht erledigt
werden konnten, weil die GMs die Petitionen wortlos gelöscht
oder mit Sätzen wie "Wir dürfen dir nicht helfen"
geschlossen haben. Lustig ist, dass man mit '/petition status' sehen
kann, welchen Platz man in der Petitionswarteschlange einnimmt. Wenn
man nach einem Tag Warten immer noch exakt 56 Tickets vor sich hat,
weiß man wieviele Leute hier im Support tätig sind.
Meine
Wertung: 2/10
Steuerung:
Das Interface ist
leider eher mittelmaß. Ständig öffnen sich
Skillbeschreibungen, die dann auch noch die Button-Leisten verdecken,
wobei mir nicht ganz klar ist, wie das überhaupt genau passiert.
Dazu kommt, dass die Gegneranwahl oft nicht ganz reibungslos
verläuft. Manchmal klappt Autotargeting, oft aber auch nicht.
Irgendwie gibt es auch kein /follow und das Schildsystem ist
ebenfalls etwas sperrig, weil schwer zu bedienen. Zudem finde ich die
gesamte Nahkämpferschaft persönlich eher öde. Das
Combosystem taugt mir persönlich überhaupt nicht. Mir kommt
das simple Abspulen von Richtungsbefehlen reichlich langweilig vor.
Erinnert mich an die "Action"-Sequenzen von Fahrenheit oder
ähnliches. Aufeinander aufbauende Skills mit schönen
Synergie-Effekten und dem passenden Mittel für jede Situation
würden mir eher zusagen. Ansonsten ist die Steuerung MMO üblich
und funktioniert recht ordentlich.
Meine Wertung: 7/10
Klassen
& Rassendesign:
Zunächst einmal ein bissl Background
Info: ich habe so ziemlich jede Klasse ausprobiert und mindestens auf
Level 10 gespielt. Conquerer, Herald of Xotli, Bärenschamane auf
über 20, Priest of Mitra auf 55 und Dark Templar auf 52. Was mir
auffällt ist, dass sich die meisten Melee-Klassen sehr ähnlich
spielen. Die Combos, die eigentlich ein Segen sein sollen, führen
dazu, dass sich jeder Melee-Charakter beinahe gleich anfühlt.
Ja, der eine hält mehr aus und der andere macht mehr Schaden.
Der eine muss noch etwas tanken und ab und an die Gruppe buffen. Aber
Grundsätzlich fühlt es sich sehr ähnlich an, weil die
Abläufe immer gleich sind. Dazu kommen sie mir ein wenig
konzeptlos vor. Es gibt zwar spezielle Effekte bei den Angriffen,
aber die sind irgendwie nicht so spektakulär (Ausnahme Dark
Templar), dass sie Klassen definierend wären. Anders ist es hier
beim Mitrapriester, der in meinen Augen die beste Klasse im Spiel
darstellt. Man fühlt deutlich wie ein Skill auf dem anderen
aufbaut und wie man auf verschiedene Situationen reagieren kann.
Natürlich ist er ein wenig Imba auf niedrigeren Leveln und geht
durch die Gegner wie ein heißes Messer durch Butter, aber
dennoch wird das Konzept nie langweilig. Insofern lässt sich zum
Klassendesign sagen, dass viele Klassen öde sind und
durch das Comboabspulen zu ähnlich aufgebaut. Einige machen aber
auch richtig Spaß und spielen sich recht abwechslungsreich.
Caster/Ranger > Dark Templar > Melee!
Die Rassen haben
verschiedene Hintergründe und leicht unterschiedliches Aussehen.
Ich bin mir nicht sicher, ob sie auch unterschiedliche Startwerte
haben. Es ist aber auf jeden Fall nichts wirklich Signifikantes. Die
Rassenwahl basiert also nur auf persönlicher Präferenz oder
hängt von der Klasse ab, die man spielen will.
Rassenfertigkeiten wie bei WoW vermisst man vollständig.
Meine
Wertung: 7/10
Talentbäume,
Klassendiversität:
Funcom macht's sich einfach, war das
erste was ich mir dachte, als ich gesehen hab, dass jeweils einer von
den drei Talentbäumen für jede Klassenansammlung(Soldat,
Schurke, Magier, Priester) gleich ist. Die meisten Trees sind zudem
entweder vom Effekt her zu ähnlich aufgebaut oder sehr schlecht
balanciert. Inhaltlich sind sie dennoch interessant und geben viele
Klassen definierende Skills. Allerdings prägen sie den Charakter
längst nicht so stark wie es WoW tut, wo man aus jedem Priester
z.B. wahlweise ein Damagemonster oder einen richtigen Heiler machen
kann. In WoW konnte man durch umskillen eine fast komplett andere
Klasse spielen. Hier ist es bei den meisten Klassen(löbliche
Ausnahme: Wächter) eher eine Nuancierung. Schade.
Meine
Wertung: 6/10
Crafting:
Mir fällt es schwer
hier etwas Gutes zu finden. Allerdings bin ich auch erst Level 55.
Ich hab bisher noch kein Rezept gesehen, das auch nur Ansatzweise
besser ist als Monsterdrops. Und das System ist im Prinzip von WoW
eins zu eins (1:1?) übernommen. Nur, dass man nicht durch
das Herstellen trainiert, sondern durch Quests an neue Rezepte kommt.
Die Frage, ob einem das AOC-"Produziere 30 Teile von A, B und
C"-System besser gefällt, als z.B. das ebenfalls eher
mittelmäsige WoW-Crafting-System - wo man sich das
zusammengebastelt hat, was man am leichtesten bekommen konnte - darf
sich jeder selbst stellen. Für mich ist es keinen Deut besser -
eher umgekehrt. Dazu ist das Ressourcensammeln eher nervig und die
Quests der Gipfel der Ödnis. Da darf man 20 Eschenholz sammeln,
muss dabei ohne Kartensymbolik in einem überlaufenen
Riesengebiet danach suchen, wird dabei immer wieder von Random Spawns
von hinten angegriffen und am Ende muss man die mühsam
gesammelten Teile auch noch dem Quest-NPC geben. Da ist nichts
Interessantes oder Originelles dabei. Es artet einfach in Arbeit aus,
die meines Erachtens nach keinen Spaß macht, weil sie keinerlei
Denkarbeit oder Skill erfordert. Natürlich sind die Quests auch
noch gnadenlos verbuggt. Um meine Juwelenschleifer-Quest zu
erledigen, musste ich nach jedem Edelstein ausloggen, einloggen, ein
Tool kaufen und dann einen neuen Stein craften. Darauf bin ich aber
erst gekommen, nachdem ich geschätzte 100 Edelsteine gecraftet
habe, die übrigens gnadenlos das Inventar zumüllen und
nicht mal an NPCs, sondern nur an Spieler verkauft werden dürfen.
Dazu sind sie noch viel zu schwach. Ein Edelstein gibt mir bisher auf
Level 55 maximal einen Bonus. Jeder grüne Gegenstand hat mehr
Boni drauf, die dazu meist noch allesamt besser sind.
Meine
Wertung: 5/10
Gruppenspiel:
Dies ist meiner
Meinung nach eines der Highlights von AoC. Zumindest auf dem Papier.
Es gibt eine Kollisionsabfrage und die meisten Heals sind AEs mit
kurzer Reichweite. Die Folge ist, dass man zwangsläufig in einer
bestimmten, recht engen Formation kämpfen muss. Leider ist die
Heilung selbst im Vergleich zu anderen Spielen eher ein kleiner
Faktor. Klar, sie ist schon wichtig. Aber da man z.B. als
Mitrapriester nur alle Minuten mal seinen dicken AE-Heal zünden
kann und dazwischen nur mit HoTs arbeiten muss, geht einfach nicht
soviel Heilung, wie man es sich wünschen würde. Es ist
alles ein bissl indirekter und es fällt schwer, sich wie in WoW
mal richtig rein zu hängen, um einzelne Gruppenmitglieder aus
der Kacke zu holen. Es ist also mehr Einzelleistung notwendig. Wie
das in Pick-up Gruppen funktioniert, kann sich sicher jeder denken.
Im PvP habe ich es leider noch nicht wirklich erlebt.
Wertung:
8/10
Mein Fazit:
Dank meines Mitrapriesters, der sich
wirklich sehr flüssig spielen lässt, macht mir AoC schon
richtig Spaß. Zumindest bis Level 46. Ab da wird es etwas zäh
und zu oft wird Grinden notwendig. Abseits vom Leveln ist der
RP-Server leider nur auf dem Papier interessant. Es findet nur sehr
wenig, zaghaftes RP statt. Meistens ist es eher das Gegenteil. Leider
interessiert Funcom der Support scheinbar gar nicht. Dazu ist die
Welt, abseits vom Questing-Tunnel, an dessen Seiten allerlei
Questgeber den Spieler durch die Gegend führen, noch sehr
unausgereift und trotz gewaltiger Laufwege durch eher wenig
unterschiedliche Settings recht klein. Die Klassenbalance ist mies,
das Crafting-, Gilden- und Städtebau-System mit unzähligen
Bugs durchsetzt. Und die Atmosphäre mancher Gebiete ist mir
persönlich zu trist, lieblos und eintönig. Dazu sind die
Gruppeninstanzen teilweise unspielbar, die Monster & Boss-Spawns
unzureichend und die Questdichte in vielen Gebieten zu dünn.
Alles in allem existiert jedoch nichts so Gravierendes und
Grundlegendes, was sich nicht heraus patchen oder irgendwie
verbessern ließe. Insofern halte ich erstmal weiterhin die
Stange und hoffe, dass Funcom noch reichlich
nacharbeitet.
Gesamtwertung: 64/100
Subjektiver
Spielspass beim Leveln: 80/100
Danke fürs Lesen.
Bis
denne,
Kulin
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